Kurzzusammenfassung
- Leonardo DiCaprio hat sich von einem Teenie-Idol zum meistrespektierten Charakterdarsteller seiner Generation entwickelt – mit einer Filmografie, die ihresgleichen sucht.
- Die Meilensteine seiner Karriere entstanden fast alle in enger Zusammenarbeit mit Ausnahmeregisseuren wie Martin Scorsese, Christopher Nolan und Quentin Tarantino.
- Aktuell dreht DiCaprio gleich zwei neue Projekte mit Scorsese – darunter einen Thriller mit Jennifer Lawrence und ein historisches Mafiadrama.
Wie DiCaprio zum Maßstab seiner Generation wurde
Wer heute an Leonardo DiCaprio denkt, denkt an Oscar-Reden, Scorsese und eine Karriere, die wie ein Lehrbuch für kluge Rollenauswahl wirkt. Dabei war der Start alles andere als vorgezeichnet. In den frühen 1990ern war er der Teenager aus der Fernsehserie „Wachstumsschmerzen“, der auf einmal in einem Film nach dem nächsten auftauchte – und jeden überraschte.
Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa aus dem Jahr 1993 war der erste Schock: DiCaprio spielte den geistig beeinträchtigten Bruder von Johnny Depp so überzeugend, dass er mit 19 Jahren seine erste Oscar-Nominierung einstrich. Titanic (1997) machte ihn dann zum Weltstar – aber auch zu einem Gefangenen des eigenen Images. Die Jahre danach waren eine systematische Gegenbewegung: komplexe Rollen, unbequeme Charaktere, nie die Wiederholung des letzten Erfolgs.
Heute zählt er zu einer Handvoll Schauspieler, die gleichzeitig Kassenmagnet und künstlerische Referenz sind. Das ist seltener, als es klingt.
Die Meilensteine: Welche Filme man gesehen haben muss
Wer sich durch DiCaprios Filmografie arbeiten will, braucht eine Orientierung. Hier sind die Werke, an denen kein Weg vorbeiführt.
Inception (2010) gilt vielen als sein kommerziell stärkstes Werk seit Titanic – Christopher Nolans verschachtelter Traumthriller, in dem DiCaprio einen professionellen Gedankendieb spielt, der einen letzten, unmöglich scheinenden Auftrag annimmt. Der Film wurde mit vier Oscars ausgezeichnet und funktioniert beim dritten Schauen noch einmal anders als beim ersten.
The Wolf of Wall Street (2013) ist die wohl rückhaltloseste Performance seiner Karriere. Als Börsenmakler Jordan Belfort liefert er in Scorseses 180-Minuten-Exzess eine Meisterleistung ab, die irgendwo zwischen Komödie und moralischem Abgrund pendelt. Dass er dafür keinen Oscar gewann, gilt bis heute als einer der größeren Fehlurteile der Academy.
The Revenant (2015) hat ihm den Oscar dann doch noch gebracht. Alejandro González Iñárrituss Survival-Epos über den Trapper Hugh Glass spielt in einer endlosen Eislandschaft und lebt von körperlicher Glaubwürdigkeit – DiCaprio spielte monatelang unter extremen Bedingungen, und das sieht man.
Once Upon a Time in Hollywood (2019) zeigt eine andere Seite: DiCaprio als alternder TV-Schauspieler Rick Dalton, unsicher, eitel, liebenswert gescheitert – an der Seite von Brad Pitt in Tarantinos Liebeserklärung an das Hollywood der späten 60er.
Wer systematisch vorgehen will: Gangs of New York, The Departed und Shutter Island komplettieren das Bild des Scorsese-Kapitels. Catch Me If You Can zeigt, wie leicht er Charme und Gefährlichkeit mischt. Killers of the Flower Moon (2023) ist das vorerst letzte gemeinsame Werk mit Scorsese – ein dreistündiges Historiendrama über die Ermordung der Osage Nation, kühl, wuchtig, unbequem.
Unterschätzt und vergessen: Diese Filme verdienen mehr Aufmerksamkeit
Die großen Titel kennt jeder. Aber DiCaprios Filmografie hat Schichten, die kaum jemand aufschlägt.
Zeiten des Aufruhrs (2008) ist der stärkste davon. Sam Mendes verfilmte Richard Yates‘ Roman über ein Ehepaar im Amerika der 1950er, das langsam an seinen eigenen Ansprüchen zerbricht – DiCaprio und Kate Winslet, zehn Jahre nach Titanic wieder zusammen, diesmal ohne Eisberg und ohne Happy End. Kritisch gefeiert, vom Publikum weitgehend ignoriert. Das ist ein Fehler.
This Boy’s Life (1993) kommt noch früher: DiCaprio als Teenager unter der Herrschaft eines gewalttätigen Stiefvaters, gespielt von Robert De Niro. Der Film zeigt, dass die Fähigkeiten, für die er heute gefeiert wird, von Anfang an da waren.
Blood Diamond (2006) läuft heute noch in Streamingdiensten, ohne dort die Aufmerksamkeit zu bekommen, die er verdient. Edward Zwick schickt DiCaprio als Söldner nach Sierra Leone – ein politisch aufgeladener Abenteuerfilm, der mehr zu sagen hat als sein Genre-Label vermuten lässt.
Don’t Look Up (2021) ist das überraschendste Stück in seiner Filmografie: eine bissige Klimasatire von Adam McKay, in der DiCaprio einen überforderten Astronomen spielt, der gemeinsam mit Jennifer Lawrence versucht, die Welt vor einem Kometen zu warnen – und scheitert. An den Menschen, nicht am Kometen.
Was kommt als Nächstes? DiCaprios aktuelle und kommende Projekte
Das Interessante an DiCaprios Karriere ist, dass sie gerade keine Pause macht.
One Battle After Another, erschienen im September 2025 unter der Regie von Paul Thomas Anderson, war bereits das meistdiskutierte Werk des Herbstes. Auf Rotten Tomatoes erreichte der Film 97 Prozent positive Kritiken – selten genug, dass es eine Aussage ist. DiCaprio spielt einen Ex-Revolutionär, der zusammen mit seiner Tochter in eine gefährliche Vergangenheit gezogen wird, an der Seite von Sean Penn und Benicio del Toro.
Parallel dazu dreht er aktuell in Prag What Happens at Night – wieder mit Scorsese, wieder mit einem außergewöhnlichen Cast: Jennifer Lawrence, Mads Mikkelsen, Patricia Clarkson und Jared Harris. Das Projekt läuft bei Apple Original Films. Drehschluss ist für Mai 2026 geplant.
Und Scorsese plant bereits das nächste: Midnight Vendetta, ein historisches Mafiadrama über die Ankunft der sizilianischen Mafia in New Orleans um 1890, mit DiCaprio wieder in der Hauptrolle. Drehstart in New Orleans ist für Dezember 2026 im Gespräch.
Wer die Karriere von DiCaprio über drei Jahrzehnte verfolgt, erkennt ein Muster: Kein Stillstand, kein Ausruhen auf Erfolgen, keine sicheren Wiederholungen. Das erklärt, warum die nächste Ankündigung immer noch eine Nachricht ist.
Häufige Fragen
Für welchen Film hat Leonardo DiCaprio seinen Oscar gewonnen? DiCaprio gewann 2016 seinen ersten und bislang einzigen Oscar als Bester Hauptdarsteller für The Revenant – Der Rückkehrer (2015) von Alejandro González Iñárritu. Zuvor war er viermal nominiert worden, unter anderem für Gilbert Grape, Aviator und The Wolf of Wall Street.
Wie viele Filme hat Leonardo DiCaprio mit Martin Scorsese gedreht? Bis einschließlich Killers of the Flower Moon (2023) haben DiCaprio und Scorsese sieben Mal zusammengearbeitet: Gangs of New York, Aviator, The Departed, Shutter Island, The Wolf of Wall Street, Killers of the Flower Moon – und aktuell What Happens at Night, das 2026 in Prag gedreht wird.
Wo kann man Filme von Leonardo DiCaprio streamen? Das hängt vom einzelnen Titel ab, da die Rechte auf verschiedene Plattformen verteilt sind. Inception, The Revenant und mehrere andere Titel sind über Amazon Prime Video verfügbar. The Wolf of Wall Street und Catch Me If You Can wechseln regelmäßig zwischen den Anbietern. Am praktischsten ist eine aktuelle Suche bei JustWatch, die alle verfügbaren Quellen für Österreich auf einen Blick zeigt.
